Einer von 5305 Eigentümern

27. März 2023 | 0 Kommentare

Die Crowdfunding-Plattform wemakeit gehört der Community

Die Schweizer Crowdfunding-Plattform wemakeit ist die erste dieser Art, die sich im Eigentum der Community befindet. Dazu hatte im vergangenen Jahr ein sogenanntes „Crowd Takeover“ stattgefunden. Eine langjährige Vision der Gründer ging damit in Erfüllung. Ich bin einer der 5305 Miteigentümer.

Es war Anfang Mai 2022, als wemakeit auch via Newsletter ihr zehnjähriges Bestehen mit ihrer (E-Mail-)Community feierte – und Großes für das laufende Jahr ankündigte. Kurz darauf wurde das Geheimnis gelüftet: Die viertgrößte Crowdfunding-Plattform in Europa sollte ab dem 31. Mai 2022 an die Crowd übergehen. Das klang irritierend – aber aufregend, spannend und innovativ zugleich. Wie soll eine Plattform an die Crowd übergehen und ihr gehören?

In den folgenden Tagen wurde via E-Mails über Einzelheiten informiert. Auf der Kam­pag­nen-Seite gab es vielfältige Infor­ma­tio­nen ebenso wie witzige Videos, die zum „Crowd Take­over“ einluden und aufklärten: Jede und jeder bekommt die Möglichkeit, Aktien zu kaufen und somit Miteigentümer von wemake­it zu werden.

Verkauf digitaler Aktien

Angehende Miteigen­tümer erhielten nähere Informationen zum Unternehmen, in das sie in­ves­tieren sollten, wie aktuelle Aktio­närs­struk­tur, Erläute­rungen zum Aktien­split, zur digi­talen Aktie und zum wemakeit-Geschäftsmodell. Auch die we­make­it AG als Arbeitgeberin und ihr Umfeld so­wie Bilanz und Erfolgs­rechnung und die Lebens­läufe der Geschäfts­führung wurden vor­ge­stellt.Eine Woche vor dem „Börsengang“ wurde zu einem Online-Meeting mit Grün­dern und Ge­sell­schaf­tern eingeladen und die Mög­lich­keit geboten, sich vorab als Inte­res­sent für den Aktien­kauf registrieren zu las­sen, um die Aktien bereits eine Stunde frü­her er­wer­ben zu kön­nen. Der Hype wurde ge­schürt, psycho­lo­gische Verkaufstricks an­ge­wandt. Und alles zu­sam­men sollte sich aus­zahlen!

Nach vier Wochen waren alle verfügbaren Aktien verkauft. Die Mindestabnahme lag bei 40 Aktien zu einem Preis von 336 Schweizer Franken; maximal konnten 11 900 Aktien für 99 960 Schweizer Franken gekauft werden. Insgesamt haben im Kampagnenzeitraum 5305 Menschen Aktien gekauft und sind so Mit-Eigentümer von wemakeit geworden. 15 Prozent der Aktien sind an das Team gegangen. Die Plattform war auch vor dem „Crowd Takeover“ bereits eine Aktiengesellschaft. Doch es sollten eben viele Menschen aus der Community Aktionäre werden anstatt einige wenige. Der Schritt, dass die Plattform an die Community übergeht, folgt der klaren Mission von wemakeit: „Wir existieren, damit sich viele beteiligen können, die Welt nachhaltig und demokratisch zu gestalten.“ Und außerdem ist das Team überzeugt: „The more we are, the more wemakeit“ – was auch der Claim des „Crowd Takeover“ war.

Vom Erfolg überrascht

Trotz der großen Vision war das Team von wemakeit überrascht vom Erfolg der Kampagne. Dazu schreibt Céline Fallet, Co-Geschäftsführerin von wemakeit: „Die letzten Monate waren extrem aufregend, wir haben unsere Eigentümer*innen kennen gelernt, in einer Umfrage abgeholt, wie sie sich künftig gerne engagieren oder eben nur zuschauend mitwirken möchten und haben viele Fragen beantwortet. Das Feedback ist durchweg positiv. Wir befinden uns mitten in einem sozialen Experiment und involvieren die neuen Eigentümer*innen sozusagen für jeden nächsten Schritt, damit wir gemeinsam die Zukunft von wemakeit gestalten können.“

Per App in die Zukunft

Nach dem Verkauf der Aktien stand die Ein­tra­gung aller Aktionäre ins Aktienbuch an und damit auch die Möglichkeit, dass die Eigen­tümer – zu denen auch ich gehöre – die er­stan­de­nen Aktien digitalisieren konnten. Da­für muss­te ich eine App downloaden, sie mit der wemakeit AG verknüpfen und die An­fra­ge auf Digitalisierung der Aktien sen­den, was dann fast umgehend erfolgte. Die digitale Aktie gibt es in der Schweiz seit 2021. Wemakeit nutzt diese Technologie, mit der auch Aktien von kleinen und mittleren Unternehmen gekauft und übertragen wer­den können, ganz ohne Intermediär. Im Hand­um­drehen könnte ich nun also den Stand meiner Aktien via App verfolgen.

Doch ob ich mich nun wirklich als Eigentümer bei der wemakeit AG einbringe, ist fraglich. Die sogenannten „Eigentümer:innen-Briefe“ sind interessant und laden zur Mitwirkung ein. Aber ein wirkliches Gefühl der Miteigentümerschaft macht sich bei mir noch nicht breit. Das mag daran liegen, dass ich lediglich Mini-Aktionär bin und mich einfach freue, dass ich hier mit einem Beitrag hoffentlich einen Teil dazu beitragen konnte, dass wemake­it auch weiterhin erfolgreich bleibt. Letztendlich liegt es wohl wieder an der Zeit, die ich aufbringe – oder eben auch nicht – um meinen „Pflichten“ als einer von 5305 Eigen­-tümern nachzukommen. Vielleicht auch erst dann, wenn wirkliche Aufgaben anstehen, also beispielsweise entschieden werden muss, was mit dem Gewinnanteil geschieht, ob dieser als Dividende ausgeschüttet oder wieder in die Plattform investiert wird.

Hier gelangst Du direkt zur Seite der Organisation: www.wemakeit.com

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Dieser Text ist zuerst erschienen im Fundraising Magazin 2/2023 (S. 24)

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